Fähigkeit und Timing
Fast jede:r Berufseinsteiger oder im Berufsleben stehende Person kennt die Situation wohl: man hat sich auf eine Traumstelle beworben und wartet seither ungeduldig auf eine Antwort der Personaler:innen und das Kopfkino beginnt. Sind die Bewerbungsunterlagen verloren gegangen? Bedeutet die Nicht-Antwort eine Absage? Sollte ich mal nachfragen? Wie? Und wann?
Welcher ist der geeignete Zeitpunkt?
Es gibt einige Dinge zu beachten. Nicht nur die Zeit sollte gut gewählt sein, sondern auch das Medium und die Art und Weise. Geben Sie den Personalvermittlern 1-3 Wochen Zeit und warten Sie auf die Bewerbungsfrist, falls bekannt. Nach einer bestimmten Zeit ist es sogar ratsam, nach dem Status der Bewerbung zu fragen, denn Fragen zu stellen deutet darauf hin, dass der Bewerber sehr an der Stelle interessiert ist. Das Gefühl, den Recruiter mit Fragen zu belästigen oder ihm wertvolle Zeit zu stehlen, ist in den meisten Fällen unbegründet. Tatsächlich ist oft das Gegenteil der Fall, denn das Nachfassen zum Status der Bewerbung auf professionelle und selbstbewusste Weise gibt Ihnen die erste Gelegenheit, sich persönlich vorzustellen, und kann sogar Ihre Chancen erhöhen, angenommen oder zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden.
Aber könntest du deinen potenziellen Arbeitgeber durch hartnäckiges Nachfragen abschrecken? Ja, das ist durchaus möglich, besonders wenn du den richtigen Ton verfehlst. Deine Stimme und Wortwahl sollten professionell, höflich und freundlich sein. Es ist besser, keine Anschuldigungen oder Erwartungen zu formulieren, sondern volles Verständnis für Chefs und Recruiter mit übervollen Terminkalendern zu zeigen, wenn du den Status deiner Bewerbung nachverfolgst.
Nachfragen per Anruf oder Mail?
Aus diesen oben aufgezählten Gründen empfiehlt es sich, bei bekannter Telefonnummer den Anruf als Medium zum Nachfassen zu nutzen, da es gleich persönlich und direkter ist. Diese Aktion erfordert eine unmittelbare Reaktion. Vielleicht haben Sie ja Glück und die Personaler:innen können gleich Ihre Fragen beantworten, sie haben daraufhin einen kurzen Austausch und bekommen gleich einen ungefilterten Eindruck zur Stimme und Stimmung vermittelt. Ihre Chance zu glänzen! Seien Sie also auch auf spontane Rückfragen/Anmerkungen des Gegenüber vorbereitet und planen Sie eine gewisse Zeit für das Telefonat ein. Bereiten Sie für den Anruf idealerweise ein paar Notizen vor: z. B. Ansprechpartner:in der Stelle, Datum des Bewerbereingangs, Stellen ID und Ihre Intention des Anrufs. Zum perfekten Gesprächseinstieg eignet sich ein selbstbewusstes Auftreten, in dem Sie sich zunächst selbst kurz vorstellen und die Gesprächspartner:innen fragen, ob der Zeitpunkt ihnen gerade gelegen kommt oder Sie besser später zurückrufen sollten. Erst danach können Sie nach einem ehrlichen Feedback zum Stand Ihrer Bewerbung fragen.
Wenn Sie keine Telefonnummer haben oder niemanden erreichen können, der informativ ist, können Sie auch freundlich und prägnant per E-Mail an das Unternehmen schreiben. In jedem Fall sollten Sie Ihre Anfragen per E-Mail an die persönliche Arbeitsadresse des Personalverantwortlichen senden, anstatt an die allgemeine Adresse wie kontakt@ oder info@. Beim Schreiben gelten die gleichen Höflichkeitsregeln wie in einem persönlichen Telefongespräch. Bevor du nachfasst, stelle sicher, dass du deine Unterlagen korrekt eingereicht hast – so gelingt es, Online-Bewerbungen richtig machen.
Achten Sie dabei unbedingt auf eine korrekte Rechtschreibung oder Flüchtigkeitsfehler!
Sollten Sie schon ein Vorstellungsgespräch absolviert haben und warten nun auf Feedback, gelten ähnliche Handlungsempfehlungen. Noch besser ist es aber, zum Ende des Termins schon einmal gezielt nachzufragen, was das weitere Prozedere vorsieht oder ob der Arbeitgebende schon einen Stichtag formulieren kann. Insbesondere in großen Unternehmen oder Konzernen können die internen Entscheidungswege oft länger sein und übergeordnete Fachabteilungen werden in die Entscheidung mit einbezogen. Außerdem werden häufig mehrere Kandidat:innen zum Einstellungsgespräch eingeladen, sodass der Auswahlprozess immer eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt. Achten Sie dabei auf eine klare, positive Formulierung und sprechen Sie die Gesprächspartner:innen direkt an. Orientieren Sie sich daran, wie das Bewerbungsgespräch abgelaufen ist, wie die Atmosphäre war und zeigen Sie Fingerspitzengefühl dabei, klar zu machen was Sie wollen, ohne dabei zu fordernd zu wirken.
Was tun bei einer Absage?
Bekommt man nach dem persönlichen Vorstellungsgespräch anschließend eine Absage, sollte man zunächst reflektiert mit der Entscheidung umgehen. Denn zu jedem Gespräch gehört, neben der fachlichen Erfahrung, der perfekten Vorbereitung und dem persönlichen Auftritt, auch einfach auch ein bisschen Glück – gerade, was die konkurrierenden Bewerbungen angeht. Vielmehr sollten Sie nach weiteren Jobangeboten Ausschau halten, offen für Alternativen sein und bloß nicht die Zuversicht verlieren.
Wichtig ist es hierbei auch Vorstellungsgespräche ohne erfolgreiche Zusage als wichtige Erfahrung und Bereicherung zu bewerten, aus der Sie lernen können. Unter Umständen hilft es, beim Unternehmen noch einmal die Gründe der Absage zu hinterfragen, denn wenn trotz aller Bemühungen eine Absage ins Haus flattert, können Sie auch daraus einen Gewinn für zukünftige Bewerbungen ziehen. Ablehnungsgründe zu erfragen, ist zwar immer noch ungewöhnlich, aber keinesfalls tabu. Schließlich ist es wichtig zu erfahren, warum es mit dem Traumjob nicht geklappt hat. Eine höflich formulierte und entsprechend begründete Anfrage klärt am besten, welche fachlichen oder persönlichen Qualifikationen Sie verbessern können. Manchmal kann es übrigens auch passieren, dass Wunschkandidat:innen des Unternehmens aus irgendwelchen Gründen abspringen oder sich doch als ungeeignet erweisen. Dann bekommen Sie vielleicht eine zweite Chance und es kann nachgerückt werden. So bleiben Entscheidungen zu Ihren Gunsten immer noch im Rahmen des Möglichen. Wer nachfragt, muss vorher überzeugt haben – lies, wie du eine überzeugende Bewerbung schreiben kannst.
Fazit
Es kann verschiedene Gründe geben, wieso die Entscheidung aus Unternehmensseite manchmal länger dauert: bei größeren Unternehmen wird der Betriebsrat eingeschaltet und der interne Prozess kann langwierig sein, die Fach- oder Personalabteilung ist überlastet (z. B. durch Krankheitsfälle, Urlaubszeit in den Ferien etc.) und die Verantwortlichen sind abwesend, Feiertage (insbesondere die Weihnachtszeit) können zu Verzögerungen führen, ebenso wie plötzlich auftretende Herausforderungen wie z. B. die Corona Pandemie oder strukturelle Veränderungen oder das Unternehmen hat auch noch weitere Bewerber:innen zum Vorstellungsgespräch eingeladen und möchte sich von diesen ebenfalls ein Bild machen und wartet deshalb noch ab. Also gedulden Sie sich, bewahren sie Nerven und reflektieren Sie über sich und ihr berufliche Qualifikation. Kennen Sie Ihren Wert und Stärken und scheuen Sie sich nicht nach dem Telefon zu greifen und nachzufragen. Nutzen Sie Ihre Chance und überzeugen Sie mit Authentizität.
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